In diesem Beitrag: Polarlichter über dem Erzgebirge – Brücken aus Licht
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Großolbersdorf, 20. Januar 2026 · kurz nach Mitternacht
Man rechnet nicht damit.
Nicht in dieser geografischen Breite, nicht über einem stillen Ort im Erzgebirge, nicht in einer gewöhnlichen Januarnacht. Und doch: Der Himmel öffnete sich.
Rote und grüne Lichterscheinungen zogen über Großolbersdorf, langsam, weich, beinahe tastend. Kein Spektakel, kein grelles Leuchten – eher ein leises Geschehen, das sich Zeit nahm und Geduld verlangte. Wer hinsah, wurde belohnt. Wer blinzelte, hätte es beinahe verpasst.
Auslöser war ein ungewöhnlich starker geomagnetischer Sturm, verursacht durch eine energiereiche Eruption der Sonne. Geladene Teilchen trafen auf das Magnetfeld der Erde, wurden entlang der Feldlinien gelenkt und drangen bis tief nach Mitteleuropa vor. In dieser Nacht reichte das Ereignis bis in den Süden Deutschlands – eine Seltenheit.
Farben aus Höhe und Physik
Polarlichter entstehen nicht „am Himmel“, sondern in der oberen Atmosphäre. Dort treffen die energiereichen Teilchen auf Sauerstoff- und Stickstoffatome. Je nach Höhe und Art des Gases entstehen unterschiedliche Farben:
Grün in mittleren Höhen, Rot in sehr großen Höhen – oft nur sichtbar, wenn die Sonnenaktivität besonders stark ist.
In dieser Nacht dominierten genau diese beiden Farben. Ein stiller Hinweis darauf, dass hier kein gewöhnliches Ereignis stattfand.
Eine Brücke zwischen Bäumen
Besonders eindrücklich war eine Szene, die sich erst im Zusammenspiel von Landschaft und Himmel offenbarte:
Ein schmales grünes Nordlicht spannte sich vom kleinen Baum am rechten Bildrand hinüber zum größeren Baum links – wie eine optische Fortsetzung seiner kahlen Äste.
Solche Zufälle sind kein Zufall der Physik, sondern der Perspektive.
Das Magnetfeld formt das Licht, die Landschaft gibt ihm Bedeutung. Für einen Moment entstand eine Brücke – zwischen zwei Bäumen, zwischen Erde und Himmel, zwischen Struktur und Ereignis.
Dass dieses Bild mit dem Handy entstand, gehört zur Geschichte. Kein Stativ, keine Planung, keine Nordreise. Nur Wahrnehmung, Timing und der stille Entschluss, den Moment festzuhalten, bevor er sich wieder auflöst.
Stille als Eigenschaft
Das vielleicht Erstaunlichste an Polarlichtern ist nicht ihre Farbe, sondern ihre Lautlosigkeit. Kein Geräusch, kein Nachhall. Das Ereignis vollzieht sich vollkommen unabhängig von uns – und genau darin liegt seine Würde.
Man steht darunter und merkt:
Der Himmel ist kein Dach.
Er ist ein Prozess.
Nachklang
Ob solche Nächte künftig häufiger werden, ist offen. Der aktuelle Sonnenzyklus deutet auf eine Phase erhöhter Aktivität hin – doch Polarlichter bleiben Geschenke, keine Termine.
Diese Nacht über dem Erzgebirge war eines davon.
Kurz, still, und doch so deutlich, dass sie bleibt.
Weiterführend: Die Technik hinter dem Licht
Wer sich für die technischen und fotografischen Hintergründe von Polarlichtern interessiert – von der Physik der oberen Atmosphäre bis zur praktischen Beobachtung – findet hier eine ausführlichere Darstellung:
👉 Fototechnik und Wissenschaft der Polarlichter
https://tenckhoff.de/europa/norwegen/lyngenfjord/fototechnik-polarlichter
Der Artikel entstand ursprünglich im Kontext von Polarlichtbeobachtungen in Nordnorwegen, viele der physikalischen Grundlagen gelten jedoch ebenso für seltene Ereignisse wie dieses über Mitteleuropa.