In diesem Beitrag: Von der Dunkelheit zur Balance
- Anmelden oder Registrieren, um Kommentare verfassen zu können
- 36 Aufrufe
Das Museo de Arte Abstracto Español in Cuenca
Direkt nach dem Besuch der Fundación Antonio Pérez – noch ganz unter dem Eindruck der existenziellen Wucht Antonio Sauras – führte uns unser Weg nur wenige Schritte weiter. Und doch war es ein deutlicher Übergang:
in das Museo de Arte Abstracto Español, untergebracht in den berühmten Casas Colgadas, die über der Schlucht des Huécar zu schweben scheinen.
Kaum ein Museumswechsel ist so unmittelbar spürbar. Wo Saura konfrontiert, tritt hier Zurückhaltung ein. Wo Dunkelheit dominiert, übernehmen Farbe, Rhythmus und Balance.
Architektur als Schwelle
Schon die Annäherung an die Casas Colgadas setzt einen Ton.
Die historischen Holzbalkone klammern sich an den Fels, öffnen sich zugleich in den Raum. Im Inneren fällt das Licht gedämpft und gezielt. Aus mehreren Räumen öffnet sich der Blick weit ins Tal – Fels, Luft, Entfernung.
Diese Ausblicke sind kein Beiwerk. Sie gehören zum Rhythmus des Museums: der Wechsel zwischen konzentriertem Sehen und dem Blick hinaus; zwischen abstrakter Form und Landschaft, Horizont, Tiefe.
Architektur und Kunst treten hier in einen stillen, beinahe meditativen Dialog.
Fernando Zóbel und die Kunst der Zurückhaltung
Gegründet wurde das Museum 1966 von Fernando Zóbel. Seine Haltung prägt die Sammlung bis heute. Zóbel wollte kein überwältigendes Museum, kein Manifest. Ihm ging es um Konzentration, Klarheit und Aufmerksamkeit.
Seine eigenen Arbeiten – subtil geschichtet, rhythmisch, von innerer Spannung getragen – setzen den Grundton. Farbe erscheint nicht als Geste, sondern als Modulation; Struktur entsteht ohne Härte. Nach der emotionalen Dichte Sauras wirken Zóbels Bilder wie eine Neujustierung der Wahrnehmung.
Nicht als Gegenwehr, sondern als Ausgleich.
Abstraktion der Nachkriegszeit – in Balance
Die Sammlung konzentriert sich auf die spanische abstrakte Kunst der 1950er bis 1970er Jahre. Vertreten sind zentrale Positionen wie Eduardo Chillida, Antoni Tàpies, Antonio Saura, Gustavo Torner, Lucio Muñoz, José María Yturralde und Francisco Farreras.
Selbst dort, wo Saura erneut begegnet, wirken seine Arbeiten anders eingebettet. Sie stehen nicht isoliert im Abgrund, sondern sind Teil eines größeren visuellen Gesprächs – gehalten von Raum, Licht und Nachbarschaft.
Die kuratorische Handschrift ist bemerkenswert zurückhaltend. Keine didaktische Überformung, keine Dramatisierung. Die Werke dürfen atmen, aufeinander reagieren, still wirken.
Farbe nach der Dunkelheit
Im direkten Anschluss an die Pérez-Sammlung entfaltet dieses Museum eine fast körperlich spürbare Gegenbewegung.
Farbe kehrt zurück – nicht laut, sondern gefasst. Struktur ersetzt den Bruch. Spannung bleibt, verteilt sich jedoch über Fläche, Material und Raum.
Das ist keine Beruhigung.
Es ist Balance.
Vor diesen Arbeiten, mit dem offenen Blick ins Tal des Huécar, erscheint Abstraktion weniger als Rückzug von der Welt denn als eine verfeinerte Form, in ihr zu bleiben.
Fazit
Gemeinsam bilden die beiden Museen eine der eindrucksvollsten Kunstkonstellationen Spaniens.
Die Fundación Antonio Pérez konfrontiert.
Das Museo de Arte Abstracto Español harmonisiert.
Der Weg von dem einen zum anderen ist kein Ortswechsel, sondern eine Erfahrungsskala – zwischen Dunkelheit und Gleichgewicht, Bruch und Form, Intensität und stiller Präsenz.
Cuenca hat nur wenige Museen.
Aber sie liegen im genau richtigen Abstand zueinander.